Wie hoch sind Risiken von P2P-Investments?

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Mittlerweile vergeht kaum ein Monat, an dem nicht eine neue P2P-Plattform das Licht der Welt erblickt. Was für Investoren zwar auf der einen Seite ein großer Vorteil ist, da sich viele Möglichkeiten zur Plattformdiversifikation bieten, ist aber auf der anderen Seite gleichzeitig ein großes Risiko. Denn eins steht wohl fest: Über kurz oder lang wird die eine oder andere Plattform wohl auf der Strecke bleiben.

Die Frage ist nun also: Welche Plattform wird das sein? Gibt es Möglichkeiten, die Spreu der P2P-Plattformen vom Weizen zu trennen? Aber wie unterscheidet sich eine gute Plattform von einer schlechten?

Diese Frage lässt sich wohl nicht so einfach beantworten, denn es hängt wie immer von so vielem ab. Was man aber als Investor tun kann und auch sollte: Die Risiken anhand der gegebenen Informationen betrachten und bewerten.

Welche Risiken gibt es also und wie hoch sind diese?

Die (Haupt-) Risiken bei P2P-Investments

Jede Investmentform bringt ihre eigenen Risiken mit. Als Investor muss ich mir die individuellen Risiken meines Investments genau ansehen und entscheiden ob ich damit leben kann. Die Risiken bei Investments auf P2P-Plattformen (und Konsorten) unterscheiden sich je nach Plattform und Geschäftsmodell, sind aber meist die folgenden:

Darlehensnehmer fällt aus

Etwas, das auf jeder Plattform passieren kann, ist wenn der Darlehensnehmer ausfällt, d.h. die Annuität nicht leisten kann. Je nach Plattform und Geschäftsmodell ist das für mich als Investor unterschiedlich „schlimm“.

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Es gibt keine Garantien im Leben!

Mittlerweile bietet nämlich fast jede der neueren Plattformen bzw. deren Kreditvermittler Garantien (wie z.B. die bereits erwähnte BuyBack-Garantie), die in genau diesem einen Fall eingreift.

Der Investor erleidet also keine Verluste, solange der Anbieter der Garantie zahlungsfähig ist.

Für den Fall, dass das Investment nicht durch einen BuyBack abgedeckt ist, sieht die Sache natürlich anders aus. Hier kann man nur hoffen, dass der Betreiber der Plattform mit einem guten Inkasso / Schuldeneintreiber zusammen arbeitet und dabei noch genug für den Investor abspringt.

Für Investments ohne solche Garantien gibt es aber einen Risiko-Zinsaufschlag, d.h. die Garantien sind indirekt in den angebotenen Zins einkalkuliert. Der Vorteil der Garantien besteht also darin, dass man weniger breit in die Darlehen diversifizieren muss, da es ja eh nicht darauf ankommt, ob einzelne Kredite ausfallen. Man hat einen „berechenbareren“ Cashflow / Rückfluss.

Ist man hingegen breit aufgestellt, kann man eigentlich getrost auf die BuyBack-Garantie verzichten und versuchen so eine höhere Rendite zu erzielen. Ich sag eigentlich, denn: Welche der beiden Rechnungen am Ende wohl mehr abwirft, lässt sich pauschal nicht sagen.

Insofern man den BuyBack nutzt, sollte man sein Portfolio also zumindest auf die Kreditgeber diversifizieren.

Kreditvermittler / Kreditgeber wird insolvent

Ist ein Vermittler bzw. Kreditgeber mit im Spiel, kann es auch relevant sein, dass dieser insolvent wird. Nämlich genau dann, wenn ich mich als Investor auf den o.g. BuyBack verlasse, dieser aber nicht geleistet werden kann.

Theoretisch hätte man in diesem Fall aber immer noch die direkten Forderungen gegen die Kreditnehmer (hier aber die entsprechende Regelung auf der Plattform / Kreditgeber beachten!). Dumm nur, wenn diese ebenfalls zahlungsunfähig sind. Zumindest hat man hier aber schonmal eine zusätzliche Sicherheit.

Es ist also wichtig, sich stets darüber Bewusst zu sein, dass ein Kreditvermittler ala Mogo, Lendo, ID-Finance und wie sie alle heißen ebenfalls pleite gehen kann und die vermeintliche Sicherheit dann erstmal dahin ist.

Und geht so einer mal pleite, ist zumindest theoretisch ein größerer Batzen weg, als wenn ein einzelner Kreditnehmer ausfällt. Denkbar ist auch eine Kettenreaktion, wenn das Vertrauen in die Kreditgeber erstmal erschüttert ist. So kann es also auch durchaus sinnvoll sein, in Kredite ohne BuyBack zu investieren.

Plattform wird insolvent

p2p risikoAuch dieser Fall kann von Relevanz sein, nämlich dann, wenn die Plattform eine Garantie verspricht und diese nicht geleistet werden kann, wie z.B. bei Twino. Hier ist es nämlich die Plattform selbst, die im Fall der Fälle mit einem BuyBack bzw. der Payment-Garantie das Investment absichert. BuyBack ist also nicht gleich BuyBack und man sollte sich genau anschauen, wer diese Garantie jeweils stellt.

Im Falle von Mintos sind es mehrere Unternehmen („Loan Originator“), im Falle von Twino lediglich ein einzelnes Unternehmen, das diese Garantie verspricht. Auf Mintos wiederum sind allerdings viele der Kreditgeber dem Unternehmen Mintos „nahestehend“, es bleibt also die Frage, wie weit diese Unternehmen unabhängig voneinander agieren.

Man sollte also betrachten, wie die Liquidierung einer Plattform geregelt ist. Da die Plattform oftmals als Vermittler auftritt, muss es nicht selbstverständlich sein, dass Forderungen automatisch abgewickelt und Rückflüsse und Zinsen beim Ausscheiden der Plattform an den Investor zurück gehen. Deshalb sollte man sich diesbezüglich genau auf der Plattform erkundigen. Mintos z.B. schreibt hierzu in seiner FAQ:

Falls das unwahrscheinliche Szenario eintritt, dass Mintos liquidiert wird, erhalten alle Investoren aus der Mintos-Datenbank vollständige Informationen über alle im Rahmen des Portals ausgeführten Geschäfte. Ein Liquidator oder Insolvenzverwalter kümmert sich um die Überweisung aller Investitionen sowie um die Darlehensbedienung durch einen angemessenen Verwalter. Um eine angemessene Durchführung dieser Regelung zu sichern, hat Mintos einen Bürgschaftsvertrag mit der Rechtsfirma FORT, aufgrund dessen Mintos an FORT monatlich die Angaben von der Webseite auf einem Datenspeicher weiterleitet und FORT diese Angaben aufbewahrt.

Es scheint also zumindest bei Mintos hierfür eine Regelung zu geben. Dies ist aber, wie gesagt, nicht selbstverständlich.

Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Plattform pleite geht? – Schwer zu sagen.

Hierzu kann man sich eigentlich nur die bereitgestellten Informationen zur finanziellen Lage und Entwicklung ansehen: hier z.B. für Mintos.

Nebenbei: mein persönlicher Lese-Tipp zum Thema P2P-Kredite:

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Wie hoch sind nun also konkret die Risiken?

Der klassische Fall, dass kein BB / PG angeboten wird, ist gleichzeitig der einfachste. Hier betrachtet man die Ausfallrate der Kreditnehmer und die Recovery-Rate, d.h. also wieviel Prozent der Darlehen durchschnittlich ausfallen und wieviel Prozent davon dann noch eingetrieben werden können. Damit kann man schon mal dafür das Risiko sehr gut einschätzen.

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Sollte so Investieren sein?

Viel interessanter sind jetzt aber die Fälle, in denen ein BuyBack angeboten wird. Hier kommt es also auf die finanzielle Lage der Unternehmen an, die die Garantie anbieten.

Wie ist also die Lage bei den Kreditgebern Mogo, Creamfinance usw.?

Hierzu habe ich mir mal einige der Kreditgeber auf Mintos genauer angesehen.

Lendo

Lendo ist mit derzeit 28% (72 Mio Euro) Anteil am vergebenen Kreditvolumen der mit Abstand größte Darlehensanbahner auf Mintos. Grund genug, sich dieses Unternehmen etwas genauer anzusehen.

Mit etwas über 60% der investierten Mittel hat Lendo auch den größten Anteil in meinem Portfolio.

Das Unternehmen Lendo bestehet seit 2016 und ist ein sog. „Nicht-Banken“-Kreditgeber, der in Georgien operiert. Vergeben werden kurzläufige, nicht besicherte Darlehen teilweise zu Zinsen um die 100%. Unbesichert meint hierbei, dass der Kredit, den Lendo an die Darlehensnehmer vergibt nicht besichert ist. Für den Investor gibt’s von Lendo ja wiederum die BuyBack Zusicherung. Davon gehen aktuell 12% (dies schwankte in der Vergangenheit schon zwischen 10 und 14% – zumindest für in EUR notierte Darlehen) an den Investor.

Erwähnenswert ist noch, dass Lendo „ein dem Unternehmen Mintos nahestehendes Unternehmen ist„, das Plattformrisiko also nicht ganz unabhängig von diesem Darlehensanbahner betrachtet werden kann. Wie weit diese Abhängigkeit allerdings wirklich reicht, ist nicht klar ersichtlich.

Und das war es auch schon, was es über Lendo an Informationen zu finden gibt. Keine Geschäftszahlen, keine Zahlen zu Ausfällen. Auf der einen Seite verständlich vor dem Hintergrund, dass es das Unternehmen erst seit 2016 gibt, auf der anderen Seite würde man sich natürlich von einem Player in dieser Größenordnung mehr Informationen wünschen. So bleibt Lendo erstmal eine große Unbekannte. Wir können nur hoffen, dass Mintos hier seine Hausaufgaben gemacht hat (wobei die beiden Unternehmen ja wie gesagt nicht ganz unabhängig voneinander sind).

Aus diesen Gründen habe ich Lendo nun vorerst aus meinem Auto-Invest Setup rausgenommen.

Mogo

Nummer 2 ist Mogo mit aktuell 19,4%. Da mir allerdings die Laufzeiten bei diesen Krediten zu lange sind und meine Strategie auf kurze Laufzeiten setzt, habe ich nahezu keine Mogo Kredite in meinem Portfolio.

Zu Mogo gibt es etwas mehr Informationen, das Unternehmen besteht auch schon ein paar Jährchen, nämlich seit 2012.

Vor kurzem veröffentlichte Mogo Zahlen zum ersten Quartal 2017. Nettoeinnahmen von 1,1 Mio Euro klingt nicht ganz verkehrt. Aber auch hier sucht man vergeblich nach konkreten Zahlen zu Ausfällen. Man hat keinerlei Infos darüber, wieviele Kredite mit BuyBack ausfallen und durch Mogo kompensiert werden müssen.

Mogo vergibt Autokredite in Estland, Georgien, Lettland, Litauen, Polen und Rumänien. Somit sind die Kredite durch die Fahrzeuge besichert und werden im Fall der Fälle veräußert. Da aber ein Auto bekanntermaßen relativ schnell an Wert verliert, bleiben beim Veräußern auch nur Bruchteile der Investition übrig.

Zumal bleibt natürlich die Frage, wie das Geschäftsmodell im Falle einer Rezession performt – aber dann ist ja eh alles egal 😉

Trotz etwas mehr Infos wird wohl auch Mogo keinen größeren Anteil in meinem Portfolio einnehmen. Grund hierfür sind wie bereits erwähnt die längeren Laufzeiten für Hochprozentiges (bzw. die zu niedrigen Zinsen für Kurzläufer).

Creamfinance

Bei Creamfinance sieht es ganz ähnlich aus: 2012 gegründet, derzeit tätig in Lettland, der Tschechischen Republik, Polen, Georgien und der Slowakei. Schaut man sich aber die Statistiken auf Mintos an, sieht man dass hier hauptsächlich georgische Kredite gelistet sind, die anderen Länder sind nur mit Kleckerbeträgen vertreten.

Creamfinance ist mit aktuell 16,6% Anteil a.d. vergebenen Darlehen der drittgrößte Darlehensanbahner auf Mintos.

Mit einem Nettogewinn von etwas über 940T Euro für 2015 schreibt man gegenüber 2014 (-247T Euro) schwarze Zahlen (Für 2016 habe ich keine Zahlen gefunden). Aber auch hier: Keine näheren Informationen zu kompensierten Ausfällen.

Banknote

Nummer 4 in der Rangfolge ist Banknote mit 14,3% Anteil. 2009 gegründet, ist Banknote ebenfalls ein dem Mintos nahestehendes Unternehmen.

Banknote Kredite haben Ende letzten Jahres an Beliebtheit verloren, als sie die Struktur für ihre Darlehen geändert haben. Neu ist seitdem, dass man als Investor keine direkte Forderung mehr gegenüber den Kreditnehmern hat, sondern nur noch gegen Banknote. Das ist vielen Investoren sauer aufgestoßen, da es natürlich Auswirkungen auf das Risikoprofil solcher Investitionen hat. Die andere Frage ist, ob das wirklich so schlimm ist, denn wer würde im Fall der Fälle schon gerne direkt Forderungen gegenüber einem georgischen Kreditnehmer geltend machen wollen.. vermutlich niemand.

Was bei den Geschäftszahlen von Banknote auffällt: Gegenüber 2015 ist der Gewinn in 2016 rückläufig, von 1,5 Mio. Euro auf ca. 960T Euro.

Fazit

Was fällt auf? Viele der Hauptakteure haben direkte / indirekte Verbindungen zu Mintos, was erstmal nichts schlechtes sein muss, aber bei der Zusammenstellung des Portfolios bedacht werden sollte.

Jeder Darlehensanbahner hat gewisse Vor / Nachteile und man findet überall Dinge, die einem als Investor vielleicht nicht unbedingt gefallen. Hinzu kommt: Dadurch, dass noch viele Unternehmen / Plattformen neu sind und erst seit wenigen Monaten / Jahren bestehen, gibt es nicht unbedingt überall die nötige Transparenz die man sich gerne wünschen würde.

In diesem Beitrag wollte ich vor allem nochmal aufzeigen, dass all die neuen P2P-Plattformen (im weitläufigen Sinne) so ihre eigenen individuellen Risiken haben und diese nicht unerheblich sind.

Zudem sollte man kritisch hinterfragen, ob der BuyBack eine gute Sache ist. Auf den ersten Blick sieht es zwar so aus, dies geht aber ganz klar auf Kosten der Transparenz. Und wenn ich als Investor etwas brauche (neben Rendite) ist es Transparenz.

Oft liest man ja so etwas wie: 100% der Investition durch BuyBack abgesichert. Dies verwechselt man dann oft und gerne mit 100% Sicherheit (man liest halt gerne das was man glaubt 😉 ) – Das eine hat aber mit dem anderen nichts zu tun.

Was soll man also tun? Überall wird davor gewarnt, wie gefährlich doch diese Investments sind und trotzdem macht es gefühlt jeder. Spinnen alle? Warum nicht lieber in Immobilien investieren? Oder warum nicht Tagesgeld?

Das Problem sind halt die mangelnden Alternativen. 12-14% gibt’s halt derzeit nirgendwo anders „einfach so“. Vielleicht sind in ein paar Jahren die ganzen P2P-Plattformen (und Konsorten) irgendwie so weit, dass man als Investor ruhigen Gewissens anlegen kann – dann wird es aber sicher keine 14% Zinsen mehr dafür geben. Es ist halt wie so oft im Leben: Wer ein größeres Stück vom Kuchen haben möchte, muss halt mehr von seinem Kuchen riskieren – oder Diätkuchen essen.

Ich für meinen Teil werde weiterhin in P2P und Konsorten investieren.

Was haltet ihr vom BuyBack? Wieviel Prozent eurer Portfolios sind durch Kredite mit BuyBack abgedeckt?

3 Kommentare

  1. tbee

    Ich sehe P2P eher noch kritisch und warte eigentlich nur auf den großen Katzenjammer der bei der ersten größeren Pleite einsetzen wird
    Nichts desto trotz spiele ich auch mit wenn auch mit einem sehr kleinen und verschmerzbaren (jedoch nicht schmerzlosen) Anteil meines Vermögens, dazu macht mir das Spiel einfach zu viel Spass…
    Dazu habe ich auch mal was geschrieben: https://p2p4meonly.blogspot.de/p/p2p.html

    Antworten
  2. Meine Finanzielle Freiheit

    Hallo Johannes,
    Ertrag und Risiko sind nun mal korreliert – wenn ich 12-14% Ertrag haben möchte, dann kann ich nicht davon ausgehen, dass dieser „risikolos“ ist. Entsprechend würde ich die diversen p2p Investments auch als hoch riskant einschätzen. In der Tat gibt es erste Fälle von Zahlungsunfähigkeit bzw. Zusammenbrechen der Plattform. In diesem Fall realisieren sich die von Dir genannten Risiken.
    Siehe auch: https://meinefinanziellefreiheit.com/2017/03/23/p2p-passive-einkommensquelle/
    Viele Grüße
    MFF

    Antworten
    1. Johannes (Beitrags-Autor)

      Hey MFF,

      Ja, das mit dem Risiko und dem Ertrag hat man so im Hinterkopf, trotzdem ignoriert man das halt manchmal wenn die Gier leicht blendet, ne 😉

      Ich habe aktuell einen großen Teil meiner P2P Investments abgezogen, weil ich bei vielen Plattformen derzeit ein schlechtes Bauchgefühl habe und betrachte das Ganze mal ein paar Monate.

      Eventuell steige ich dann wieder mit dem einen oder anderen Peso ein, mal schauen..

      VG
      Johannes

      Antworten

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