Wie hoch ist dein Nettovermögen?

vermögen aufbauen

Hohes Einkommen oder hohes Vermögen – das ist hier die Frage

Auf dem Weg zur finanziellen Freiheit muss man sich zwangsläufig mit seinen Finanzen beschäftigen, keine Frage. Dazu verschafft man sich In einem ersten Schritt einen Überblick über seine Finanzsituation. Die meisten Menschen betrachten dabei ihre monatlichen Ausgaben und stellen sie den Einnahmen gegenüber. Ist die Differenz aus Einnahmen und Ausgaben positiv, hat man schon mal keine schlechte Ausgangslage. Im zweiten Schritt versucht man seine Ausgaben zu minimieren und sein Einkommen zu erhöhen.

Die Frage nach der Höhe des Einkommens ist in den Köpfen der Deutschen fest verankert. Ein Mensch mit einem hohen Einkommen gilt hierzulande als wohlhabend. Schauen wir hingegen in den angelsächsischen Sprachraum, ist häufiger vom sog. „net worth“ die Rede. Gemeint ist damit das Nettovermögen. Diese Zahl ist m.M. auch die Interessantere, denn sie zeigt, ob man sich mittel- bzw. langfristig in die richtige Richtung bewegt.

Wie hoch sollte mein Vermögen denn sein?

Wieviel Zaster muss es denn sein?

Schaut man sich das durchschnittliche Vermögen eines privaten Haushaltes in Deutschland an, könnte man schnell zum Entschluss kommen, dass man irgendwas falsch macht. Denn der Durchschnitt lag 2014 bei über 214.500 Euro!

Dies täuscht allerdings, denn durch die ungleiche Verteilung des Vermögens in Deutschland, beeinflussen hierbei Extremwerte diese Zahl nach oben. Die reichsten 10% der Haushalte besitzen ca. 60% des Vermögens.

Um also einen Wert für „normal reiche“ Menschen zu erhalten, macht es mehr Sinn, den Median zu betrachten. Dieser Wert ist weniger durch extreme Ausreiser nach oben oder unten beeinflusst und lag 2014 bei 60.400 Euro. Das bedeutet, die Hälfte aller Haushalte besitzt weniger als 60.400 Euro und die andere Hälfte mehr.

Jetzt ist diese Zahl alleine aber auch nicht recht aussagekräftig, schließlich unterscheidet sie nicht nach Alter, Region, Geschlecht oder Beruf. Typischerweise steigt das Vermögen mit dem Alter und von Ost nach West 😉
Auch über das Zustandekommen des Vermögens sagt sie nichts, z.B. ob ein Teil des Vermögens geerbt wurde.

Für einen groben Eindruck sollte diese Zahl aber erstmal reichen.
Aber: Ist ein Vermögen von über 60.000 Euro nun viel oder wenig? Klingt erstmal nach viel, Ich würde aber sagen eher wenig. Denn um solch ein Vermögen aufzubauen, reicht es lediglich z.B. 20 Jahre zu sparen, also: 3000 Euro im Jahr oder 250 Euro im Monat. Und das bei einer Verzinsung zu 0,0%. Das sollte bei einem mittleren monatlichen Nettoeinkommen von 1570 Euro möglich sein und entspricht einer Sparquote von 15,92 %. Manche schaffen auch viel mehr, aber es kommt wie immer drauf an.

Die Frage, wie hoch das Vermögen nun sein muss, lässt sich pauschal nicht beantworten. Es kommt auf die aktuelle Lebenssituation und die persönlichen Ziele an. Aber um „ausgesorgt“ zu haben, sollte es nach der sog. 4%-Regel etwa das 25-fache der jährlichen Ausgaben sein. Bei Ausgaben von 1000 Euro im Monat kommt man so auf ein benötigtes Kapital von 300.000 Euro. Sicherlich nicht wenig Geld, aber durchaus machbar.

Wie hoch ist mein Vermögen tatsächlich?

Die Faktoren, welche man in eine solche Betrachtung aufnehmen kann, sind schier unendlich und abhängig z.B. davon, ob man seine Vermögensbildung als Privatperson oder Unternehmen betreibt und in welche Werte man investiert (ETFs / Aktien, Riesterrente, Lebensversicherung, betriebliche Altersvorsorge,  u.v.a.)

Sucht man im Internet nach einer Formel, so findet man überwiegend Rechnungen, die das Vermögen von Unternehmen berechnen, also z.B.:

Das Reinvermögen (auch Nettovermögen, englisch net worth, net assets) ist in der Finanzbuchhaltung die positive Differenz zwischen dem auf der Aktivseite einer Bilanz ausgewiesenen Vermögen (Bruttovermögen) und den auf der Passivseite ausgewiesenen Verbindlichkeiten eines Unternehmens.

Im Endeffekt ist die Rechnung aber nicht all zu kompliziert: Summe aller Vermögen – Summe der Verbindlichkeiten

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Manch einer hortet sein Vermögen unter dem Kopfkissen.

Vermögen meint dann:

  • Sichteinlagen (Girokonto, Tagesgeldkonto) und Festgeldeinlagen
  • Einlagen auf Depotkonten
  • Einlagen auf P2P-Plattformen
  • Bargeld unter dem Kopfkissen
  • Leistungen aus Lebensversicherung, betrieblicher Altersvorsorge, Rürüp / Riester, Bausparen …
  • Immobilien und Sachwerte (sofern sie sich veräußern lassen)
  • Dividenden und Zinserträge aus Kapitalanlagen
  • Geld welches an Freunde und Verwandte ausgeliehen ist
  • usw..

und Verbindlichkeiten:

  • Summe aller Schulden und Ratenkredite, also: Bafög und Studienkredite, Immobilienkredite, Autokredite, Konsumentendarlehen..
  • Geld welches man sich von Freunden und Verwandten geliehen hat 😉
  • Steuerrückzahlungen, die demnächst fällig sind
  • Autoreparaturen, die demnächst fällig sind
  • und und und…

Um eine schnelle Übersicht über alle meine Konten zu erhalten, nutze ich finanzblick. Dies bietet mir die Möglichkeit, ohne viel Rechnerei die Summe aller meiner Konten einzusehen. Zudem kann man verschiedene Berichte in Diagrammform einsehen und Buchungen als Export (CSV) abspeichern.

Die Verbindlichkeiten sind oft nicht so einfach ersichtlich, da sie meist auf extra Konten bei den Banken geführt werden. Häufig erhält man aber auch hierfür Zugang zu einem Online-Banking und kann den aktuellen Saldo einsehen. Ansonsten einfach mal im Darlehensvertrag nachsehen und bei der Bank anrufen, die können dort auch eine Auskunft über den aktuellen Saldo erteilen.

Ich betrachte die Seite der Verbindlichkeiten immer auch gerne für die Zukunft, also Verbindlichkeiten:

  • heute
  • innerhalb der nächsten 12 Monate
  • innerhalb der nächsten 1-3 Jahre

Jetzt könnte man für jeden dieser 3 Werte die Rechnung von oben machen und sie vom derzeitigen Vermögenswert abziehen. Sieht man jetzt beispielsweise, dass der Nettovermögenswert Stand heute leicht positiv, der für die nächsten 12 Monate aber negativ ist, weiß man jetzt schon, dass man ein Problem hat 😉

Wenn du jetzt deinen Vermögenswert mal nüchtern betrachtet hast und damit unzufrieden bist, muss das nicht heißen, dass das so bleiben muss!

So baust du ein Vermögen auf

  • Mit einem hohen Einkommen fällt es leichter Vermögen zu bilden, ganz logisch. Suche also nach Möglichkeiten zum Geld verdienen.
  • Ist das Geld verdient, lässt sich der Vermögensaufbau noch weiter beschleunigen, indem man seine Ausgaben minimiert. Suche also nach Möglichkeiten zum Geld sparen.
  • Investiere in dich selbst, bilde dich weiter und erweitere dein Skillset.
  • Such dir geeignete Geldanlagemöglichkeiten und lass dein Geld für dich arbeiten, suche also nach Möglichkeiten zum Geld anlegen.
  • Das Wichtigste: Sorge dafür, dass in deinem Kopf das richtige Mindset für den Umgang mit Geld entsteht!

 

4 Kommentare

  1. denkfabrik

    Hey,

    ich finde es spannend, dass du „net worth“ erwähnst. Sieht man sich die englische Bloglandschaft an, wird sehr offen auf das eigene Vermögen eingegangen. Deshalb hatte ich am Anfang die Erwartung, dass du dein Nettovermögen offenlegst.
    Trotzdem ein sehr spannendes Thema, mit dem ich mich in letzter Zeit auch beschäftigte & überlege, es zu veröffentlichen. Danke für die Erwähnung des Tools – gleich mal ausprobieren.

    lg
    Johannes

    Antworten
    1. Johannes (Beitrags-Autor)

      Hi Johannes,
      ja, anderswo ist man freizügiger im Umgang mit dem Thema. Hierzulande (und das gilt auch für mich) wird das Thema ja eher diskret behandelt. Vielleicht überleg ich es mir aber eines Tages und poste was dazu.. mal schauen 🙂

      Beste Grüße
      Johannes

      Antworten
  2. Finanzielle Freiheit

    Hi,
    Schöner Artikel – besonders wichtig ist mE, dass es sich um eine Netto-Betrachtung handelt, d.h. Kredite und sonstige Verbindlichkeiten abgerechnet werden müssen!
    Wer einen starken Fokus auf finanzielle Freiheit sollte insb. auch auf sein produtives Nettovermögen legen – also Vermögen, das als passive Einkommensquelle verwendet wird. Aktien, die Dividenden ausschütten erscheinen geeignet, während physisches Gold eher ungeeignet erscheint.
    Viele Grüße,
    Lukas

    Antworten
    1. Johannes (Beitrags-Autor)

      Hey Lukas,

      danke und dem kann ich mich nur anschließen!

      VG,
      Johannes

      Antworten

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