Warum du die Amazon Aktie nicht kaufen solltest

amazon aktie

Amazon wächst und wächst

Gestern erst liessen die Nachrichten verlauten, dass der größte Online-Shop nach dem nächsten Milliardenmarkt greift.

Amazon plant wieder einen Versuch auf dem Mobilmarkt zu starten.

Auch der Kurs der Amazon Aktie kennt seit Jahren nur eine Richtung: nach Norden. Allein im letzten Monat verzeichnet dieser eine Steigerung um satte 4,28% – das entspricht einer hochgerechneten jährlichen Rendite von über 51% !

Nebenbei: mein persönlicher Tipp zum Thema Investieren in Aktien / ETF:

Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen

Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen
  • Ganz normale Sparer haben kaum noch Möglichkeiten, ihren Spargroschen zu vermehren. Es sei denn, sie investieren in Indexfonds und ETFs, den neuen Trend für smarte Anleger! Seit 15 Jahren berät Gerd Kommer private Investoren mit großem Erfolg bei der Anlage in Indexfonds und ETFs. In der neuen, komplett aktualisierten Auflage seines Klassikers lernen Sparer, wie sie ihr persönliches Index-Portfolio zusammenstellen und managen, und so auf lange Sicht mit minimalem Aufwand zu einer attraktiven Rendite kommen...

 

Da bleibt dem einen oder anderen Investor kurz die Spucke weg, schließlich kann er mit seinen paar ETFs und P2P-Anlagen lediglich eine magere Bruttorendite von 6-20% erwirtschaften und geht dabei auch noch erhebliche Risiken ein.

Amazon hingegen ist ein Riesenunternehmen das bereits seit mehr als 20 Jahren besteht. Ist eine Investition in das selbige somit als nachhaltig, seriös, sinnvoll, ja sogar nahezu clever zu bezeichnen?

Einfach Amazon Aktien kaufen und glücklich sein?

Der Kurs der Amazon Aktie ruft „Kauf mich“ – oder ruft er eigentlich das Gegenteil?

Einfach Amazon Aktien kaufen und glücklich sein

Die Sache scheint verheißungsvoll zu sein. Wann immer man in die Amazon Aktie einstieg, ist man niemals mit Verlust ausgegangen, einen langfristigen Anlagehorizont vorausgesetzt. Selbst wenn man zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, also dem Höhepunkt der Dotcom-Blase damals eingestiegen war, musste man „nur“ 10 Jahre warten und der Kurs hatte sich wieder erholt. Der Vergleichsindex Nasdaq Composite hat länger gebraucht.

10 Jahre warten und die Welt sieht wieder anders aus

Ähnlich sieht es bei den anderen großen drei „FANG-Aktien“ aus, also Facebook, Netflix und Google (jetzt Alphabet):

Facebook mit +4,23% im letzten Monat, Netflix +3,41% ebenso im letzten Monat, Alphabet immerhin +4,24% in den letzten 3 Monaten.

Jetzt könnte man noch ein weiteres dieser gehypten coolen Technologie Unternehmen mit ins Boot nehmen: Tesla mit über +10% in einem Monat!

Das sind doch alles Zahlen, die nur einen Rückschluss ziehen lassen: Mit diesen Aktien kann man doch nichts falsch machen!

Wenn dir langweilig ist, kauf doch ein paar Aktien

Wo ist der Haken?

Amazon versteht es wie kein anderes Unternehmen, sich und den Markt ständig neu zu erfinden. Durch Erfindungen wie z.B. den Kindle, haben Sie es immer wieder geschafft, den Umsatz zu steigern und weiter zu wachsen.

Und es ist wohl noch kein Ende in Sicht. Schon seit einiger Zeit experimentiert Amazon mit Drohnen um Lieferungen damit durchzuführen und konnte auch schon erste Erfolge damit verzeichnen.

Denkbar also, dass es dem Unternehmen auch weiterhin gelingen wird, durch innovative Erfindungen sein Wachstum weiter voran zu treiben. Das wiederum dürfte für ein stetiges Ansteigen des Aktienkurses sorgen. Wo ist also der Haken?

Hierzu betrachten wir mal das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie (siehe auch auf OnVista).

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Amazon Aktie

Mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis oder KGV ist nicht etwa das kleinste gemeinsame Vielfache gemeint, sondern das Verhältnis zwischen dem Kurs und Gewinn für einen bestimmten Zeitraum. Tolle Erklärung, oder 😉

Das KGV wird von Investoren häufig als ein erster Indikator herangezogen, um zu beurteilen, ob eine Aktie günstig oder teuer bewertet ist. Umgangssprachlich und vereinfacht ausgedrückt besagt der KGV, wie viele Jahre ein Unternehmen mit dem aktuellen Gewinn benötigt, um seinen derzeitigen Aktienkurswert wieder hereinzuholen. Bei Amazon finden wir einen unglaublichen Wert von fast 150 für das vergangene Jahr 2016 und einen geschätzten Wert von über 123 für das laufende Jahr 2017. Der Wert ist jedoch sehr volatil und kann abhängig vom Kursverlauf und tatsächlichen Gewinn des Unternehmens schon nächstes Jahr komplett anders aussehen.

Der KGV alleine ist also recht nutzlos und sollte deshalb immer im Gesamtcontext einer Aktienanalyse betrachtet werden.

Also schauen wir uns einen weiteren Wert an, der von potentiellen Investoren gerne herangezogen wird, um ein Investment zu prüfen: die Dividendenrendite.

Die Dividendenrendite der Amazon Aktie

Wieder vereinfacht ausgedrückt haben wir hier einen Wert, der die ausgezahlte Dividende und den Preis einer Aktie ins Verhältnis setzt. Also z.B. 5% Dividendenrendite soll heißen: Ich kaufe Aktien für 100 Euro und erwarte dafür 5 Euro im Jahr zurück. Unabhängig vom Kursverlauf habe ich also dann nach 20 Jahren mein ursprüngliches Investment von 100 Euro wieder reingeholt. Wenn der Aktienkurs der Aktie sich dann zufällig auch noch gut entwickelt hat, kann ich die Aktie wieder veräußern und mich über einen zusätzlichen Gewinn durch Kurssteigerung freuen. Super Sache also.

Wie hoch ist die gezahlte Dividende im Falle Amazon? Ganze 0 Euro im Jahr. Amazon bezahlt seinen Aktionären keine Dividende.

Drehen wir also mal die Frage von oben doch einfach mal um:

Warum um alles in der Welt sollte man auf die Idee kommen diese Aktie zu kaufen?

amazon aktie

Bist verrückt?

Scheinbar gibt es genug Leute, die auf die Idee kommen die Amazon Aktie zu kaufen (sonst würde der Kurs ja nicht steigen). Es muss da wohl noch etwas anderes geben, das die Erwartungen antreibt.

Warum kauft man Aktien

Es gibt genau zwei Gründe, eine Aktie zu kaufen. Den ersten haben wir bereits weiter oben mit der Dividende besprochen und gesehen, dass es im Falle Amazon wohl nicht der ausschlaggebende Punkt ist.

Also muss es Grund Nummer zwei sein: Die Aussicht auf Kurssteigerung, also Spekulation. Das Problem was dabei gerne übersehen wird: Das Meiste von dem, was Spekulanten verheißungsvoll in die Zukunft blicken lässt, ist im Kurs bereits eingepreist. Der Preis steigt also unberechtigter Weise: Solange es einen Dummen gibt, der bereit ist den Preis zu bezahlen, wird er weiter steigen.

Im Falle von Amazon gehen wohl die Meisten davon aus, dass Gewinne in Zukunft weiterhin steigen und die Aktie, die ich heute kaufe, in diesem Hinblick noch günstig ist – denn sie wird ja teurer. Das kann noch einige Zeit so weiter gehen, bis man den Glauben daran halt verloren hat..

Vielleicht ist Amazon einfach so gut?

Ein realistisches KGV wäre wohl irgendwo im Bereich 10,20 vielleicht auch 30. Dazu wird es aber wohl nie kommen, denn wenn die Gewinne steigen, werden auch die Bewertungen automatisch wieder steigen. Auf diesen Tag braucht man also nicht zu warten.

Die Frage ist also viel mehr im Context heutiger Preis und zukünftiger Gewinn zu betrachten: Kann das irgendwie funktionieren? Wieviel müsste denn Amazon an Gewinn erwirtschaften, damit der Aktienkurs heute einigermaßen vernünftig wäre und man einem Investment nicht abgeneigt wäre?

Rechnen wir doch mal nach.

Die Formel lautet: KGV = Kurs je Aktie / Gewinn je Aktie

Für das laufende Jahr und Stand heute (02.04.2017) also: KGV = 831,415 EUR / 6,70 = 124

Und wir hätten jetzt gerne einen KGV von höchstens 30 bei aktuellem Kurs. X ist folglich der Gewinn je Aktie:

X = Kurs je Aktie / KGV = 831,415 EUR / 30 = 27,7

Amazon müsste also das (27,7 / 6,70) = 4,13-fache an Gewinn einnehmen. In den Beispielbildern oben würde dann also hoffentlich irgendwann einmal etwas in dieser Richtung stehen: +400%

Schaut man sich den Wert an, der für die letzten 5 Jahre angegeben wird, so steht dort tatsächlich +447% – so abwegig ist das Ganze also nicht, oder?

Die Frage ist aber, gelingt das bei der jetzigen Größe des Unternehmens wieder? Bei einem Startup mit einem coolen Geschäftsmodell würde ich sagen klar – Go for it. Aber Amazon ist wohl kein Startup mehr – deshalb würde ich sagen eher Nein.

Aber wer weiß das schon.. „Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“ sagte mal irgendeine berühmte Person – vielleicht blicken wir in wenigen Jahren auf Artikel wie diesen hier und lachen darüber, weil Amazon es wieder mal geschafft hat.

Vielleicht aber auch nicht und der große Knall kommt… dann sag ich einfach: Ich hab’s euch ja gesagt!

Was kauft ihr euch so für Aktien? Sehe ich das mit Amazon zu kritisch? Schreib’s mir in die Kommentare!

1 Kommentar

  1. Tom

    Hallo, ich finde dass bei einem stark wachsenden Unternehmen wie Amazon der Gewinn pro Aktie keine Rolle spielt. Um die zukünftige Ertragskraft von Amazon abzuschätzen, schaue ich auf den Cashflow. Wenn ich den aktuellen Cashflow zur Marktkapitalisierung ins Verhältnis setze, komme ich für 2016 auf einen Wert von ca 25. Das finde ich recht günstig im Anbetracht der zu erwartenden Steigerungen.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.