Meine Erfahrungen mit Bondora (Isepankur) als Geldanlage

bondora

Mit teilweise sehr hohen Zinsen und einem Versprechen lockt Bondora Geldanleger in die Welt der P2P-Kredite: Anleger erzielten in der Vergangenheit eine durchschnittliche Nettorendite (Rendite nach Kosten) von über 20%.
Davon wollte ich natürlich auch profitieren und so habe ich mir Bondora auch mal näher angeschaut.

Anmeldung, Einzahlung, Verifikation

Nachdem man sich angemeldet hat, ist als Erstes eine Einzahlung notwendig, andernfalls kann man nicht mal durch die Kredite stöbern und schauen, ob überhaupt etwas interessantes dabei ist.
Das ist ein eindeutiges Minus, denn Bondora erlaubt keinerlei Navigieren auf der Seite ohne eine Einzahlung.
Die einzige Möglichkeit, Geld einzuzahlen ist über eine SEPA-Überweisung (oder aber über TransferWise, für Anleger, die ihr Konto in Euro führen dürfte das aber uninteressant sein).

Nebenbei: mein persönlicher Lese-Tipp zum Thema P2P-Kredite:

Investieren in P2P Kredite: Was man wissen sollte, wie man Fehler vermeidet und erfolgreich investiert

Investieren in P2P Kredite: Was man wissen sollte, wie man Fehler vermeidet und erfolgreich investiert
  • Wir leben in einer Zeit, in der es immer wichtiger wird, selbst finanzielle Verantwortung zu übernehmen und nach Mitteln und Wegen zu suchen, sein Geld sinnvoll zu investieren. Zu diesen innovativen Mitteln gehört auch die P2P-Industrie, die messbar von Monat zu Monat in Europa wächst. Schon fast 100 Plattformen sind in Europa zugelassen und es werden immer mehr. Inzwischen haben sich unter den ganzen Start-Ups einige Plattformen entwickelt, bei denen sich ein tieferer Blick lohnt. Dieses Buch ist genau das richtige für dich....

Portfolio Manager und Diversifikation

Hat man einen Betrag überwiesen, den man anlegen möchte, ist man schonmal als Anleger freigeschaltet.
Jetzt kann man auf der Seite rumstöbern und sich die Kredite auf dem Marktplatz anschauen.
Positiv fällt auf, dass man schon mit 5 Euro in einen Kredit investieren kann.
Somit kann man seine Investitionen breit streuen und muss kein Klumpenrisiko in Kauf nehmen, allerdings steigt damit auch gleichzeitig der Verwaltungsaufwand (nicht zuletzt der Aufwand bei der Steuererklärung, Angabe von Hunderten von Centbeträgen…)
Wie bei anderen P2P-Plattformen auch bietet Bondora einen Portfoliomanager, bei dem man einen Anlagebetrag und eine Risikogruppe angibt und welcher dann eben das Anlegen automatisch für einen übernimmt.
Es gibt 4 Risikoklassen, von „Conservative“ über „Balanced“ und „Progressive“ zu „Dynamic“.

Bondora Portfoliomanager

Bondora Portfoliomanager

Gibt man einen Betrag an, so ist der Portfoliomanager auch schon aktiv.
Bei mir hat der Manager innerhalb nur eines Tages 20 Kredite a 5 Euro vermittelt.
Möchte man den Portfoliomanager deaktivieren, so sucht man einen „Deaktivieren-Button“ vergebens, die einzige Möglichkeit ist es, die „Angestrebte Portfoliogröße“ auf 0 zu stellen.
Anschließend sollte folgende Meldung im Portfoliomanager erscheinen:

Portfoliomanager deaktiviert

Portfoliomanager deaktiviert

Anders hat man auch keine Chance in den Zweitmarkt zu investieren, denn sonst hat der Portfoliomanager gleich wieder alles in Kredite investiert, bevor man überhaupt die Möglichkeit hat, sich einen geeigneten Kredit auszusuchen.

Im Allgemeinen lässt sich wohl sagen, dass der Portfoliomanager noch recht unausgereift zu sein scheint.
Bis auf die Risikoklasse, die man angeben kann, lassen sich fast keine weiteren Einschränkungen machen, beispielsweise auf das Herkunftsland des Darlehensnehmers oder aber die Laufzeit des Kredits.
Hier wäre es wünschenswert, dass Bondora etwas nachlegt und dem Anwender mehrere Konfigurationsmöglichkeiten anbietet (und einen Deaktivieren-Button..)

Zweitmarkt

Sehr interessant dürfte auch der eben schon genannte Zweitmarkt sein.
Hier kann man anderen Investoren ihre laufenden Kredite quasi abkaufen.
Man bekommt Daten zu Restlaufzeit, Zins, gezahlten Raten, überfälligen Raten, Mahnungen und Preisvorstellung des Investors –
der Investor kann angeben, ob er einen Abschlag zum normalen „Preis“ haben möchte, oder ob er einen Rabatt gewähren möchte.
Ein Grund, warum ein Investor noch etwas zusätzlich zum normalen „Preis“ haben möchte, könnte sein, dass der Kredit sehr gut läuft und schon viele Raten pünktlich bezahlt worden.
Sind dagegen schon viele Raten ausgefallen und Ärger vorprogrammiert, sind viele Investoren froh, ihren Kredit loszuwerden und bieten großzügige Nachlässe.
Hier gilt es aber vorsichtig zu sein,wenn man jemandem seinen Kredit abnehmen möchte,denn nicht jedes Angebot von anderen Investoren ist auch ein gutes Angebot.
Manch ein Angebot hat nichtmal eine positive zu erwartete Rendite – da stellt sich die Frage, wer sich so etwas antun möchte:

Bondora Zweitmarkt

Bondora Zweitmarkt

Der erste Kredit auf der Abbildung hat noch eine restliche Laufzeit von 5 Monaten, für ein Investment von 9.82 Euro winken dem Investor also sage und schreibe 9.72 Euro – vorausgesetzt der Kredit fällt nicht aus. Es sollte jedem klar sein, dass es sich hierbei um kein gutes Angebot handelt.
Jedoch kann man auf dem Zweitmarkt wohl auch das eine oder andere Schnäppchen machen – vorausgesetzt man findet eins und ist auch noch schnell genug.
Das Problem hierbei ist sicherlich, dass diese wenigen guten Angebote wohl in der Menge der Kredite untergehen und man hat hier keine Möglichkeit, nach der zu erwarteten Rendite z.B. zu filtern.
Das dürfte das größte Manko am sehr liquiden Zweitmarkt sein.

mein(e) Portfolio(s)

Prinzipiell stellen sich mir hier zwei Fragen:
1) Kann man mit Bondora Geld verdienen? Diese Frage scheint durch Bondora selbst beantwortet zu sein, immerhin geben sie ja eine durchschnittliche Rendite von 20% an.
Der Knackpunkt wird aber sicherlich darin bestehen, in die richtigen Kredite zu investieren,
denn mit dem Einstellen des Portfoliomanagers allein ist es u.U. nicht getan.
Das bringt mich zu der zweiten und dritten Frage:
2) erzielt man eine höhere Rendite, wenn man Kredite manuell vergibt, den Portfoliomanager nicht nutzt und selektiv vorgeht (und dabei sehr viel Zeit investiert) und
3) wie profitabel ist es, auf dem Zweitmarkt zu investieren?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich mir erstmal zwei Portfolios erstellt, das erste Portfolio wird mit dem Portfoliomanager bedient (Einstellung: Konservativ, also geringst mögliches Risiko) und das zweite Portfolio wird über den Zweitmarkt mit HR (High Risk) Krediten gefüllt, welche einen hohen Rabatt und eine prinzipiell gute Zahlungsmoral aufzeigen, d.h. beispielsweise ein Rabatt von 10% kombiniert mit den letzten 6 Raten pünktlich gezahlt.
Natürlich ist das keine Garantie dafür, dass der Kredit die restliche Laufzeit gezahlt wird, aber immerhin ein Indiz dafür, dass der Schuldner zumindest die Kontoverbindung der Bank kennt…

Nutzt ihr den Portfoliomanager von Bondora? Welche Nettorendite erzielt ihr und wie lange legt ihr schon an? Welche Strategien verfolgt ihr auf dem Zweitmarkt?
Über einen Kommentar würde ich mich sehr freuen!

5 Kommentare

  1. Claus

    Hi Johannes,

    schön mal einen weiteren deutschsprachigen Erfahrungsbericht zu lesen.
    Ich lege seit über 2 Jahren bei Bondora an.
    Einen Bericht zu meinem Portfolio habe ich zuletzt hier geschrieben:
    http://www.p2p-kredite.com/update-stand-meines-bondora-kredit-portfolios-zum-jahresende_2014.html

    Den „neuen“ Portfolio Manager nutze ich derzeit nicht (den alten hatte ich aber genutzt). Das für uns wieder des neuen Portfolio Managers wird von den deutschen Anlegern sehr ausführlich hier diskutiert:
    http://www.p2p-kredite.com/diskussion/bondora-isepankur-f17.html

    Schönes Wochenende!

    Antworten
    1. brosefbrosef (Beitrags-Autor)

      Hi Claus,

      danke für den Link!
      Wow, du bist ja ein richtiger „High-Roller“, dagegen ist mein bisheriges Investment ja nur Kleingeld 🙂
      Allerdings könnte ich mir vorstellen, wenn es denn für mich funktioniert auch etwas mehr Geld in Zukunft bei Bondora anzulegen.
      Für dich scheint es ja auch sehr gut zu funktionierten, sonst wärst du denke ich mal nicht schon seit 2 Jahren dabei, stimmts? 😉

      Antworten
  2. Tom

    Sehr schöner Artikel, wenn du bei Facebook bist, kannst du gerne unserer „Bondora Fellows“ Investoren-Gruppe (https://www.facebook.com/groups/191879057647930/) beitreten. Dort bekommst du viele Erfahrungen und Fragen von anderen mit. Ist sicher auch für den Einstieg eine gute Hilfe!

    Antworten
    1. brosefbrosef (Beitrags-Autor)

      Hey Tom,

      danke, die Gruppe habe ich schon durch Zufall vor einigen Tagen gefunden und bin natürlich schon dabei! 🙂

      Antworten
  3. Jason

    Hallo Johannes,

    ich habe nicht ganz verstanden, warum der erste aufgelistete Kredit kein guter Kredit sein soll. Kannst du das kurz erläutern?

    Danke

    Antworten

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